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Aberglaube oder nur andere Sichtweise?

23.05.2019 CJD Nienburg « zur Übersicht

In jeder Gesellschaft existieren ein anderer Glauben und andere Bräuche. Einige Glaubensformen in einer Gesellschaft mögen für Andere unglaublich bis zu abergläubisch erscheinen. Ich möchte in diesem Artikel einige gängige und interessante Glaubens- oder Aberglaubens Formen in Afghanistan beschreiben. Die junge Generation pflegt diese Sichtweise mittlerweile nicht mehr aber umso mehr die ältere Generation. Wenn die rechte Handfläche juckt, bekommt man zeitnah Geld von irgendwoher. Damit es wahr wird, wird die rechte Handfläche über die Stirn eines Kindes oder einer Person, die allgemein als glücksbringend angesehen wird, gerieben. Wehe wenn die linke Handfläche juckt!!! Dann geht Geld verloren. Nicht nur Juckreiz an den Händen, sondern auch an den Füßen hat eine tiefere Bedeutung. Wenn die rechte Fußsohle juckt, kommen bald Gäste zu Besuch. Die linke Fußsohle deutet auf eine Einladung hin. Wenn jemand auf die Reise gehen möchte, läuft er vor dem Aufbruch unter einen Koran durch. Ein Verwandter hält das heilige Buch über seinem Kopf, er küsst es mehrmals und geht ein paar Mal darunter hin und her. Dann schützt das heilige Buch ihn vor Gefahren während der Reise. Ein anderer Reise-Glaube ist, dass ein Verwandter eine Schale mit Wasser hinter dem Rücken des Reisenden nach dem Aufbruch ausschüttet. Man glaubt, dass der Reisende dann gesund zurückkehrt. Wenn jemand krank wird, geht er zu einem Mullah. Der Mullah schreibt ein Gebet auf einen Zettel. Der Kranke legt den Zettel in einem Wasserglas und trinkt dann das Wasser aus dem Glas. Man glaubt dann, dass er schneller gesund wird. Mit Mullah wird generell ein islamischer Geistlicher gemeint. Wenn sich ein junger Mann verlobt, bekommt er von der Familie seiner Verlobten Süßigkeiten. Die alleinstehenden Männer möchten alle gerne von diesen Süßigkeiten essen in dem Glauben, dass sie auch bald eine gute Frau finden. Die verheirateten Frauen passen natürlich scharf auf, dass ihre Männer nicht in die Nähe dieser Süßigkeiten kommen!! Wenn eine Frau nicht schwanger wird, geht sie auch zum Mullah. Der Mullah sagt einige heilige Verse auf. Man glaubt, dass diese Verse dann dem unerfüllten Kinderwunsch ein Ende setzen. Viele Frauen gehen deswegen nie zum Arzt, da sie mehr an die Verse glauben als an die Wissenschaft. Wenn jemand an Epilepsie leidet, glaubt man, dass er von bösen Geistern besessen sei. Anstatt zum Arzt geht man dann zum Mullah. Wenn ein Mann seine Frau nicht mehr beachtet, wird die Frau ganz unruhig. Eine große Sorge der Frauen ist die Existenz einer Zweitfrau. Um das zu verhindern, geht sie zum Mullah. Er versucht mit Gebeten und Versen die Liebe des Mannes zu seiner Frau erneut zu entfachen, damit er sich keine zweite Frau sucht. Dafür wird der Mullah reichlich beschenkt, auch mit Naturalien wie Hühnern, Schafen und Kostbarkeiten. Wenn auf dem Weg ein Friedhof liegt, soll man diesen Weg nachts meiden, damit man nicht von bösen Geistern überfallen wird. Wenn eine Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter oder eine Frau mit ihrer Schwägerin Probleme hat, geht sie ebenfalls zu einem Mullah. Der Mullah sagt Gebete auf, die die Person stark macht. Die Wirkung der Gebete kann sogar so effektiv sein, dass sich der Mann von seiner Frau scheiden lässt!! Im nächsten Artikel werde ich weitere Glaubensriten aufzählen, die die neue gebildete Generation nicht mehr praktiziert, aber die ältere Generation umso ernsthafter befolgt.